Erstnachweis der Nymphenfledermaus

Weltweit sterben derzeit viele Arten aus, bevor sie überhaupt entdeckt worden sind. Auch die Kenntnis über die tatsächliche Verbreitung vieler bekannter Arten ist oft sehr lückenhaft. Aus diesem Grund ist die Erforschung der Taxonomie und Art-Verbreitung heute außerordentlich wichtig.

Umso größer war vor diesem Hintergrund die Freude, als uns im Jahr 2004 der Erstnachweis der Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe) in Deutschland gelang. Diese Art war aufgrund ihrer Öhnlichkeit mit der Bartfledermaus (Myotis mystacinus) lange übersehen worden und erst in den 80er Jahren in Griechenland entdeckt worden. Als eigene Art wurde sie erst im Jahr 2001 beschrieben, nachdem mit genetischen Methoden der Artstatus bestätigt werden konnte.

 

Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)

Wir entdeckten die Nymphenfledermaus während der Erarbeitung eines Fledermausschutzkonzepts für die Eichenwälder auf feuchten Standorten zwischen Kehl und Offenburg im Auftrag des Forstamtes Kehl. Im Juli 2004 fingen wir ein Fledermausweibchen, das äußerlich keiner der zahlreichen bis dahin hier nachgewiesenen Arten eindeutig zuzuordnen war. Schon damals hatten wir den starken Verdacht, dass es sich um die Nymphenfledermaus handeln könnte. Deshalb wiederholten wir im Folgejahr den Netzfang an gleicher Stelle und konnten in diesem Jahr durch eine genetische Überprüfung den Artnachweis zweifelsfrei bestätigen.

Die Biologie, Habitatansprüche und konkrete Verbreitung dieser seltenen Art sind noch weitestgehend unbekannt. Daher führten wir im Jahr 2006 eine weitere Studie an gleicher Stelle mit dem Ziel durch, mehr über das Vorkommen und die Lebensweise der Nymphenfledermaus in unseren Breiten herauszufinden. Ein telemetriertes Jungmännchen führte uns zu einem Quartier in einer alten Eiche. Auch im Laufe der Nacht hielt es sich größtenteils in alten, feuchteren Eichenwäldern auf, was die Bedeutung dieses Habitattyps für die Nymphenfledermaus unterstreicht. Um die kleinste der europäischen Myotis-Arten auf Dauer schützen zu können, besteht allerdings noch ein erheblicher Forschungsbedarf.

 

Link zur Pressemitteilung der Universität Erlangen

Niermann, I., Biedermann, M., Bogdanowicz, W., Brinkmann, R., Le Briss, Y., Ciechanowski, M., Dietz, C., Dietz, I., Estók, P., Von Helversen, O., Le Houédec, A., Paksuz, S., Petrov, B.P., Özkan, B., Piksa, K., Rachwald, R., Roué, S.Y., Sachanowicz, K. (2007): Biogeography of the recently described Myotis alcathoe von Helversen and Heller, 2001. - Acta Chiropterologica, 9(2): 361‚ÄöÖ√¨378.

Brinkmann, R. & Niermann, I. (2007): Erste Untersuchungen zum Status und zur Lebensraumnutzung der Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe) am südlichen Oberrhein (Baden-Württemberg). - Mitteilungen des badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz, 20(1): 197-210.

 

Weitere, ausführlichere Infos finden Sie in unseren Veröffentlichungen.

Aktuelle Veröffentlichungen

Im Januar 2017 wurde der Forschungs-bericht zum F+E-Vorhaben "Fledermäuse und Windkraft im Wald" veröffentlicht. Das BfN hat dazu eine Pressemitteilung herausgegeben.

Hier geht es zu den Artsteckbriefen als Anhang zu Kapitel 1.

 

Im Sommer 2015 erschien unser Buch zur Ökologie gefährdeter Fledermausarten in Baden-Württemberg.

 

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